Schildbau
"Das ewige Leiden des Studenten. Man hat kaum Geld, will aber gerne mitmischen. Also haben wir uns gesagt, kratzen wir unsere Sesterzen zusammen und machen einfach mal. Unterstützung gab's von der Uni keine, also war eigenes Handwerk gefragt und eisernes Sparen. Wir bestellten uns Rüstungsteile, Waffen und Ausrüstung, zumindest den Teil, den wir nicht selber herstellen konnten, unter anderem einen Schild... Sehr zu unserem Leidwesen (oder seinem) war dieser wahrlich nur zu Dekorationszwecken, und hielt dem ungestümen Angriff mit dem Hozschwert nicht stand. Als wir also über den Trümmern indischer Kinderarbeit standen, reifte der Plan, doch lieber selber Schilde zu bauen. Also flux die Tischlerkiste ausgepackt, den Baumarkt, die Zoohandlung und die Werkstatt aufgesucht, beim Schmied Schildbuckel in Auftrag gegeben und ab dafür. Ein Stoffhandel war sehr ergiebig und hilfreich, auch wenn sich die Wollbeschaffung für Tuniken etwas schwieriger, aber nicht unmöglich gestaltete, wobei eher der Farbton das Problem war. Kurzum - die Arbeiten begannen.

Schildbau Teil 1:

Unsere Schild benötigen Segeltuch. Warum teures Segeltuch ? Erstens ist es wasserabweisend, und entwickelt zweitens, bestreicht man es von außen auch mit Leim (der gute Ponal Wasserfest), eine furchtbar harte Oberfläche, die man sogar glatt schleifen kann. Außerdem braucht man Rohhaut für den Rand, wenn man kein Leder oder Metall hat.  Man bekommt ganz annehmbare Rohhaut, indem man sich gedrehte Hundekauknochen Größe 51 cm im Zoogeschäft besorgt... Danach weicht man sie ein, schneidet sie in Streifen von etwa 3-5cm Breite und voilá ! Man kann sie formidabel um den Schildrand nageln.
Wie aber biegt man einen solchen Schild ? Und woher die Maße ? Und überhaupt ? Keine Frage, es erwies sich als komplex. Der Dura Euopos Schild, der diesem hier als Grundlage dient, entstammt dem 3. Jhd. n. Chr., ist also eigentlich für die Darstellung zu spät. Macht aber nix, sagen wir uns, die Panzerungen sind ja im 1.Jhd. auch noch nicht so weit verbreitet gewesen, und geschnürt wahrscheinlich auch nicht. Aber mangels Geld für's Kettenhemd (oder lorica hamata), muss es eben so gehen. Nun hat der ursprüngliche Schild die Außenmaße 106x86 cm. Wohlgemerkt über die Außenseite gemesen. D.h. : Man nehme zwei Birkenfurnierplatten aus dem Baumarkt mit entsprechendem Maß. Man nehme ferner einen Eimer Ponal Wasserfest, einen dicken Pinsel und alte Klamotten, des weiteren drei, besser vier Spanngurte (womit man normalerweise Sachen auf dem Dachgepäckträger sichert). Und dann beginnt die Sauerei. Eine Platte wird flächig und dick eingeschmiert mit Leim, die andere darübergelegt. Dann werden die Platten mittels der Spanngurte gebogen. Wichtig ist eine gleichmäßige Verteilung der Gurte. Dann spannt man die Gurte so lange, bis einen Sehnenlänge von 75 cm entsteht. Verzieht sich der Schild dabei in der Vertikalen, hilft das diagonale Überspannen mit Panzerband auf der Innenseite. Danach läßt man das Monstrum zwei Tage durchtrocknen.

Schildbau Teil 2

Nach dem Trocknen geht es ans bespannen. Man hat zwei Möglichkeiten, da die Innenseite des Schildes auch noch mit Holzstreben verstärkt wird. Die erste ist, die Holzstreben nach dem Bespannen zu montieren, die zweite ist es, danach zu montieren. Bei letzterer sollte man als Montagemittel handgeschmiedete Nägel verwenden, da diese hinterher zu sehen sind. Bei ersterer kann man einfache 3,5x13 Spaxxschrauben verwenden...
Bevor man jedoch das Segeltuch draufzieht, sollte man den Ausschnitt für den Griff machen. In unserem Falle war dies ein Radius von 8 cm, da man sich am Schidbuckel orientiert. Nun schneidet man aber keinen ganzen Kreis aus, sondern nur 2 Teilkreise, die in der Mitte einen Griffstag überlassen. Ist dies getan, rundet man die Schnittkanten mit Schmirgelpapier. Dies sollte man übrigens auch mit den Schildkanten tun, zumal sich dann die Rohhaut besser spannen lässt.
Hat man dies nun hinter sich, streicht man die Außenfläche dick mit Ponal ein. Dann legt man ein vorher zugeschnittenes Stück Segeltuch (man achte darauf, dass es den Rohling überall um ca. 3 cm überlappt) darauf, und streicht es mit einem Hölzchen glatt und fest. Dann werden die Kanten mit Leim eingeschmiert, und umgeklappt. Dann schneidet man den Teil des Tuches in Fetzen, der über dem Griffloch ist, schmiert die Fetzen mit Leim ein und klappt sie auch nach innen um. Somit ist der Griff auch schon teilumspannt. Dieselbe Prozedur erfolgt auf der Innenseite. Hier kann es sein, dass sich Teile der Bespannung wieder lösen. Man kann dieses Problem lösen, indem man zwei Teile Segeltuch aufklebt, die sich mittig überlappen. So reduziert man Spannung und erhält eine homogene Fläche.
Nachdem der Leim getrocknet ist, beginnt man mit dem Aufziehen der Rohhaut. Wieder hat man zwei Varianten - nageln oder nähen. Nageln ist einfacher, Nähen "authentischer". Wir haben genagelt - mittels 10 mm Nägeln aus dem Baumarkt. Man schneidet also die Rohhaut, die man über Nacht eingeweicht hat, in Streifen zu 4 cm (ca.). Dann legt man die Streifen (unten anfangend) auf und nagelt sie einzeln fest. Entstehen Überlappungen, so sieht man zu, dass die Überlappung nach unten weist, da sich sonst Schwerthiebe o.ä. gerne dort fangen. Hat man nun nach stundenlanger Nagelei das Werk vollbracht, raucht man eine, trinkt nen Kaffee und macht weiter mit der...

Verleistung


Hier kann man etwas mehr basteln. Man besorgt sich Holzleisten, maximal 8 mm stark, biegsame Hölzer sind geeignet. Die Breite ist variabel, aber sollte 4 cm nicht übersteigen. Man braucht zwei lange Leisten für die senkrechte, und drei kürzere für die waagerechte Verleistung.
Man beginnt mit den Senkrechten, und befestigt sie mit Nägeln. Bei handgeschmiedeten Nägeln empfiehlt es sich, die Leisten und den Schildkorpus vorzubohren. Dann werden die Nägel durchgeschlagen, und auf der Innenseite des Schildes doppelt umgebogen und eingeschlagen. Hat man beide montiert, wird es kompliziert.
Man erhitze einen halbwegs großen Topf mit Wasser, am besten wäre ein Gänsebräter, da er schön breit ist. Man achte auf genug Wasser, da dieser Prozess länger dauert. Kocht das Wasser und erzeugt genügend heißen Dampf, legt man die Leisten über den Topf unter den Deckel. Dort belässt man sie ca. 20 min. Immer nur eine wird entfernt und montiert. Die Leisten sind nun biegsam, und können zwischen den senkrechten Leisten eingeklemmt werden, bis sie sicher und fest am Schildkorpus anliegen. Dann werden sie vernagelt.
Ebenfalls in diesem Arbeitsschritt sollte man die nach oben weisende Rundung des Grifflochs abpolstern, um ein Verkrampfen der Hand hinauszuzögern oder gar zu unterbinden.

Es folgt nun die Bemalung in optimalerweise Caseinfarben (aus dem Hobbyladen). Hier sollte man sich weitestgehend an den Vorlagen orientieren.

Hat man nun einen Schildbuckel, wird dieser mit 8 handgeschmiedeten Eisennieten oder -nägeln befestigt und voilá ! Fertsch.

Nachtrag: Aufgrund der kostruktiven Kritik haben wir unsere Schilde einmal ordentlich umgebaut. Die Kanten wurden gerundet, die Form angepasst, und die Bemalung wurde komplett anders gestaltet.




Neuigkeiten
 
11.11.2010: Auftritt am Paulsen-Gymnasium

4./5.12.2010: Winterlager der Legion im Aalemannufer. Interessierte sind herzlich willkommen. (http://www.jfe-aalemannufer.de)

5.1.2011: Wir wünschen allen ein Frohes, Neues Jahr !
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